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Silberne Konfirmation Osterkirche 3.7.2011
1 Darauf erzählte ihnen Jesus noch ein weiteres Gleichnis*:
2 » Das Reich Gottes ist wie ein König, der seinem Sohn das Hochzeitsfest ausrichtete.
3 Er schickte seine Diener aus, um die geladenen Gäste zum Fest zu bitten; aber sie wollten nicht kommen.
4 Darauf schickte er noch einmal andere Diener zu den Geladenen und ließ ihnen sagen: 'Hört! Ich habe mein Festessen vorbereitet, meine Ochsen und meine Mastkälber sind geschlachtet, alles steht bereit. Kommt zur Hochzeitsfeier!'
5 Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern gingen ihren Geschäften nach. Einer ging auf seine Felder, ein anderer in seinen Laden.
6 Manche packten sogar die Diener des Königs, trieben ihren Spott mit ihnen und töteten sie.
7 Da wurde der König zornig und schickte seine Heere. Er ließ die Mörder umbringen und ihre Stadt niederbrennen.
8 Dann sagte er zu seinen Dienern: 'Die Vorbereitungen zum Fest sind getroffen, aber die geladenen Gäste waren es nicht wert, daran teilzunehmen.
9 Geht jetzt hinaus auf die Landstraßen und ladet alle zur Hochzeit ein, die euch begegnen!'
10 Die Diener gingen hinaus auf die Straßen und brachten alle mit, die sie fanden - schlechte und gute Leute. So wurde der Hochzeitssaal voll.
11 Als nun der König kam, um sich die Gäste anzusehen, entdeckte er einen, der nicht hochzeitlich gekleidet war.
12 Er sprach ihn an: 'Wie bist denn du hier hereingekommen? Du bist ja gar nicht hochzeitlich angezogen.' Der Mann hatte keine Entschuldigung.
13 Da befahl der König seinen Dienern: 'Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneklappern sein.' [
14 Denn viele sind berufen«, schloß Jesus, »aber nur wenige von ihnen sind erwählt.«
Was für eine Geschichte und das noch an der Silbernen Konf.(leider haben auch für heute viele abgesagt…)
Worum geht es in der Geschichte. Reich Gottes ist wie ein König, der einlädt.
Da iost ein großes Fest (Vorbereitung, Tisch……) und keiner kommt.
So etwas ist sehr ärgerlich. Da ist viel Wut. Es kommt zu Mord und Totschlag. Und dann weiter feiern???
Eine Bekannte meinte: ich würde dann nicht mehr einladen. Und wenn, dann bestimmt niemanden von der Straße. Wer weiß, wer da käme.
Wir haben ja auch gesehen, was passiert, wenn man bei facebook den entsprechenden Haken nicht entfernt. Dann stehen 1000 Leute im Vorgarten und man hat letztlich keine Ahnung, wer da alles kommt.
Trotzdem: der König tuts. Er lässt alle von der Straße holen.
Der Saal ist voll. Und dann hängt der König sich auf an so einer blöden Kleiderfrage.
Das ist sehr schwer zu verstehen.
Selbst Luther hat sich mit dieser Geschichte schwer getan. Dass der Herr tötet und einen wegen der Kleider rauswirft ist eigentlich nicht nachzuvollziehen.
In all dem Unverständlichen, erlauben Sie mir einen vorsichtiger Versuch, dem Text etwas abzugewinnen. (Wobei man wissen muss, dass der Matthäus diese Geschichte in eine ganz konkrete Gemeindeerfahrung hineingeschrieben hat.)
Zunächst: Jesus spricht mit Bildern. der König steht sozusagen für Gott. Das Bild hat nur da seine Grenze dort, wo der König tötet. Denn es gilt ganz klar: Gott tötet nicht!!!
Aber jenseits dieser Aussage wird der König und damit Gott sehr emotional dargestellt. Sehr menschlich. Ein Gott, der Gefühle hat, der um seine Menschen kämpft, dem es nicht gleichgültig ist, was wir tun oder lassen, der sein Haus voll haben möchte, der traurig ist, wenn Absagen kommen, der ringt. Der ein Festessen geplant hat und mit seinen Menschen feiern möchte. Gott hier als ein Gegenüber zu den Menschen, einer, der nicht weit weg und unnahbar erscheinen will, sondern einladend und gewinnend. Gott nicht nur als irgendeine positive Lebenskraft oder Energie. Er ist mehr. Er ist ansprechbar, er ist Gegenüber.
Einer, mit dem man kämpfen kann, der spricht. Einer, der uns beim Namen kennt.
Dann das zweite: die Sache mit den Kleidern. Zur Silbernen Konfirmation, nehme ich an, haben sie sich überlegt, was sie anziehen wollen. Gestern auf dem Abiball waren die SchülerInnen mächtig aufgebrezelt. Da wirft man sich in Schale, richtet sich schön her. Bereitet sich vor. Diese Vorbereitung gehört zur Vorfreude, das macht was mit mir, bringt mich in Stimmung. Früher war das auch für den Kirchegang selbstverständlich. Heute ist das leider ein wenig in Vergessenheit geraten.
Die Kleidung ist auch eine Art der Wertschätzung. Gott befahl Mose vor dem Dornenbusch: : Zieh die Schuhe aus, denn du betrittst heiliges Land. Wie begegnen wir dem Heiligen??
Neben dem sehr emotionalen Gott und der Kleiderfrage geht es aber in dieser Erzählung m.E. um etwas ganz anderes.
Reich Gottes, so heißt es, ist wie ein großes Fest, an dem alle kommen und geladen sind. keiner steht außen vor. Das ist eine Vision, die uns Jesus vor Augen führt. Ein großes Treffen an einem Tisch. Mit vielen fröhlichen Menschen. Alles kommt da zusammen, grenzenlos, schrankenlos.
Das möchte Gott gerne, das stellt er uns in Aussicht.
Unsere Erfahrungen sind vollkommen andere. Damals wie heute Da wird sehr genau aufgeteilt, wer wohin und wann kommen darf. Wer Wert ist, an diesem Tisch zu sitzen oder an jenem. Wer in die Erste Klasse im Zug fährt und wer eben nicht.
In der Schule wird frühzeitig aussortiert, landest du in der Hauptschule hast du eben Pech gehabt. Und um hoch zu kommen braucht es bestimmte Fahrigkeiten, die sich nicht immer an ethische Maßstäbe halten.
Vor 25 Jahren, mit 14, da lag der Beruf, die Ausbildung noch vor einem. Ja, es ist spannend, zu sehen, was da aus den anderen inzwischen geworden ist. Und ich bin sicher, dass es da Gewinner und Verlierer gibt., Freunde, bei denen man sofort wieder Gespräche anknüpfen kann, andere vielleicht, bei denen man eher das Gefühl hat: also das brauch ich nicht.
Wir trennen sehr schnell, sortieren:den mag ich, den nicht.
Und: unsere Gesellschaft trennt und sortiert.
Unsere Politik tut das ihre, dass die Trennung zwischen arm und reich immer größer wird. Schon hier in Worzeldorf gibt es unglaubliche Spannbreiten. Vor noch nicht allzu langer Zeit: hat man sich mächtig darüber aufgeregt, dass mit den soz. Wohnungsbau das Gschwartel in den Ort einzieht., Da ging es um Wertminderung der Häuser, weil nebendran die da hingekommen sind. Nein. Da würde man doch gerne eine klare Trennlinie ziehen.
Und mitten da hinein Gottes Wort: klar und deutlich: ich trenne nicht. Bei mir werden alle an einem Tisch sitzen. Im Reich Gottes: da gibt es kein oben und unten mehr, kein arm und reich.
Für all die, die jetzt oben sitzen ist das wahrhaft keine schöne Aussicht. Genügend Gäste haben ja abgesagt in der Geschichte.
Und es kommt nicht von ungefähr, dass dem Jesus vor allem die gefolgt sind, die unten waren. Die immer zu kurz gekommen sind. Beruflich, familiär, Menschen mit Krankheiten, mit viel Pech im Leben. Arbeitslose.
Für die klingt es wie eine große Vision: Es kommt eine Zeit, in der Gerechtigkeit für alle geschaffen wird. Ja, alle dürfen dabei sein am großen Tisch. Vorne dran.
Das entspricht dem christlichen Menschenbild. Das ist das, was Jesus vertreten hat:
Nämlich dass jeder einzelne von uns liebevoll gestaltet ist und geformt – von Gott selbst. Er hat uns Leben, Lebendigkeit gegeben. Er hat uns seinen Lebensatem eingehaucht,
Ich denke da an den ersten heiseren Schrei eines Neugeborenen, wie sich die Lunge weitet und füllt: hier bin ich. Jeder von uns hat das mitgemacht.. Meine Nachbarn rechts und links genauso, wie der, der in dem großen Haus wohnt oder die, die dort an der Kasse sitzt.
Wir sind alle ausgestattet mit Gefühlen, mit Sehnsucht nach Liebe, nach Geborgenheit. Jeder von uns trägt in sich Ängste genauso wie Hoffnungen. Jeder von uns hängt am Leben, versucht das Beste daraus zu machen. Und eines Tages wird bei jedem von uns das Leben zu Ende gehen. Da sind wir alle gleich. Menschen, Menschenkinder Gottes, ihm gegenüber.
Und genauso nimmt Gott uns ernst. Daraus entspringt die Würde eines jeden. Daraus erwächst die Vision, dass dereinst alle sich wieder an einem Tisch versammeln können. Ein Freudenfest feiern .
Jesus hat in seiner Zeit diesen Gedanken der Gleichheit in aller Konsequenz gelebt. Er hat sich gegen das Einsortieren der Menschen gewehrt, die sagt, wer drin und wer draußen steht. Besser oder schlechter ist. Jesus hat ständig Grenzen überschritten, um Gemeinschaft zu schaffen. Er hat die Nähe derer gesucht, die sonst immer am Rande waren.
Und genau diese Botschaft hat er uns auf den Weg mitgegeben. Geht hinaus in alle Welt und : erzählt, lebt! Um der Menschen willen. Um Gottes Willen.
Was das konkret heißt? Dass wir mittendrin in unseren Systemen, die wir täglich erleben, immer wieder hellhörig sind dort, wo wir merken, wie andere ausgegrenzt werden. Dass wir uns dafür einsetzten wenn es um Gerechtigkeit geht unter den Menschen. Dass wir es nicht als gegeben hinnehmen, dass es Armut gibt in unserem Land und wir am liebsten die Augen zu machen, damit wir nichts sehen.
Jesus ist bekannt gewesen dafür, dass er die unterschiedlichsten Leute an seinen Tisch geholt hat. Das Abendmahl ist uns von ihm geblieben: ein Ort, an dem wir in seinem Namen Gemeinschaft feiern. Das ist einer der Orte, an dem diese große Gemeinschaft, wie sie auch von dem König erzählt wird im Predigttext, wenigstens im kleinen sichtbar wird, Dann nämlich, wenn wir- ungeachtet unserer Herkunft, nebeneinander stehen und von einem Brot und aus einem Kelch trinken. Wenn wir uns die Hand reichen, uns einander in die Augen schauen.
So mag das Abendmahl, das wir auch heute wieder feiern, Wegzehrung sein für das, was wir im Alltag leben und erleben. Damit wir helfen können, Mauern abzubauen und Gräben zu überbrücken, auf Hoffnung hin, dass eines Tages alle das Fest des Lebens feiern können.
Amen.